Hallo Antti und Timo!
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mit uns über Ihr Unternehmen POIAT zu sprechen.
Könnten Sie uns ein wenig darüber erzählen, wie POIAT entstanden ist und wo Sie sich heute befinden?
Hallo! Unsere Geschichte begann Anfang der 2000er-Jahre, als wir uns an der TaiK (heute Aalto-Universität) kennenlernten und Raum- und Möbeldesign studierten. Wir begannen, gemeinsam Raumgestaltungsprojekte zu realisieren und stellten fest, dass wir sehr gut zusammenarbeiten. Das brachte uns auf die Idee, vielleicht eines Tages unser eigenes Unternehmen zu gründen.
Nach unserem Abschluss halfen uns die Kontakte, die wir an der Universität geknüpft hatten, unsere ersten "richtigen" Raumprojekte zu erhalten: das (inzwischen ehemalige) Johto Café und das Bekleidungsgeschäft Gallery im Einkaufszentrum Kamppi.
Nach einigen Jahren selbstständiger Arbeit und Projektarbeit beschlossen wir, unser eigenes Unternehmen, Poiat Studio, zu gründen. Zunächst konzentrierten wir uns ausschließlich auf Innenarchitekturprojekte, doch dann entwickelte sich auch die Idee, eine eigene Möbelkollektion zu entwerfen, zu einem wichtigen Anliegen, insbesondere für Timo, der einen Großteil seiner Freizeit dem Möbeldesign widmete.
Die erste Produktfamilie, Lavitta, wurde 2013 auf der Habitare-Messe vorgestellt. 2014 wurde Poiat zu einem Familienunternehmen, als Timos Frau Jenni und Anttis Bruder Jussi in die Firma eintraten und die Verantwortung für Marketing und Vertrieb der Möbelkollektion übernahmen.
Heute ist Poiat in den Bereichen Möbel- und Raumgestaltung tätig – die Innenarchitektur wird von Antti geleitet, während Timo für Produkt- und Möbeldesign verantwortlich ist. Darüber hinaus entwickeln wir auch Möbelkonzepte für andere Unternehmen.
Wir haben das Gefühl, heute an einem Punkt angelangt zu sein, an dem wir beide unserer Leidenschaft nachgehen können. Mit einem Team an unserer Seite, das uns bei verschiedenen Konzepten unterstützt, können wir uns stärker auf den kreativen Prozess konzentrieren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist unser neuer Raum mit Showroom in Ullanlinna, den wir derzeit renovieren und einrichten.

Was ist üblicherweise der Ausgangspunkt Ihres Designprozesses?
Antti: Erinnerungen und innere Bilder bilden für mich die Grundlage meiner Vision, den Kern des Mehrwerts, den wir unseren Kunden bieten. Ein wesentlicher Faktor im Designprozess ist, den Wünschen des Kunden zuzuhören und seinen Alltag zu verstehen. Ebenso wichtig ist es uns, die Geschichte, den Kontext und den Hintergrund des Gebäudes in unsere Raumgestaltungsprojekte einzubeziehen. Die Bedeutung unseres Teams ist enorm – ich gebe zwar den ersten Anstoß und die erste Idee für den Designprozess, aber das Ergebnis ist eine gemeinsame Vision unseres Teams.
Timo: Ich glaube, Intuition ist die Grundlage von allem. Das Interesse am Produktionsprozess und den verwendeten Materialien. Anschließend legen wir einige Grundregeln für den Prozess fest. Wir führen verschiedene Experimente im Designprozess durch, was dem Endprodukt meist einen überraschenden Effekt verleiht.
Was hat Ihre Designphilosophie und Ästhetik am meisten geprägt?
T: Die BBC-Dokumentarserie „The Code“, die die Natur – ihre Effizienz, ihr Wachstum und ihre mathematischen Prinzipien – untersucht, hat meine Designphilosophie maßgeblich geprägt. Dieser Prozess regt sehr zum Nachdenken an. Mich inspiriert die Tatsache, dass wir, wenn die Natur so vielseitig und effizient sein kann, versuchen können, dies in unserem Designprozess nachzuahmen. Wir möchten Möbel entwerfen, die sich in private und öffentliche Räume einfügen und unserer Philosophie des humanen Raums entsprechen. Die Ästhetik entsteht dabei im Laufe des Prozesses. Für Antti und mich ist eine gemeinsame Vision und ein gemeinsamer Stil essenziell. Ein weiterer Aspekt ist Offenheit – wer nicht offen für Neues ist, verschließt die Augen.
A: Am meisten beeinflusst hat meine Designphilosophie meine Wahrnehmung verschiedener Objekte und Räume. Bei unseren Raumkonzepten bin ich der Ansicht, dass jeder gute Raumplan etwas aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich vereint. Was die Ästhetik betrifft, so haben meine Eindrücke, beispielsweise auf Reisen durch Mitteleuropa, mein ästhetisches Empfinden geprägt.
Was inspiriert dich jetzt?
T: Die Möglichkeit, das tun zu können, was ich am liebsten tue, nämlich die kreative Arbeit, die wir leisten.
A: Nordischer Klassizismus. Ich habe seine Größe und seinen Reichtum sowie die „Toleranz“ dieses Stils erkannt. Ich finde, man kann diese Epoche im Stadtteil Töölö in Helsinki erleben.
T: Ja, der finnische Klassizismus war eine aufregende Zeit, eine Übergangsphase.
Wie wichtig sind Ihnen die verwendeten Materialien und deren Herkunft?
T: Sehr wichtig! Wir sind der Ansicht, dass Materialien sowohl im Raum- als auch im Möbeldesign eine zentrale Rolle spielen. Beispielsweise ist das gesamte Holz, das wir für unsere Möbel verwenden, FSC-zertifiziert. Qualität und Authentizität sind Schlüsselfaktoren meiner Designarbeit.
A: Bei Materialien ist die Haptik entscheidender als primär das Aussehen. Sie vermittelt das Gefühl für die Qualität. Die Herkunft von Materialien kann kompliziert sein, da sie nicht unbedingt die ökologischste Option darstellt. Für mich zählen der Produktionsprozess und seine Nachhaltigkeit. Bei der Auswahl von Einrichtungsgegenständen für Raumprojekte bevorzugen wir finnische Hersteller, doch leider gibt es nicht allzu viele.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Umweltauswirkungen in Ihrem Designprozess?
T: Unser Ziel ist es, dass unsere Designentscheidungen die Umwelt so wenig wie möglich belasten. Die Informationen, die wir zum Thema Nachhaltigkeit sammeln, gewinnen in unserem Designprozess täglich an Bedeutung. Beim Entwerfen von Möbeln versuche ich mir zu überlegen, wie ich deren Existenz rechtfertigen kann, was sie besser macht als ein ähnliches, bereits existierendes Produkt.
Wir hoffen, dass unsere Produkte ihren Besitzern ein Leben lang Freude bereiten und möglichst lange halten. Wir entwickeln unsere Produkte nicht unter dem Druck eines bestimmten Marktzyklus, sondern weil sie einen klaren Platz in unserem Designportfolio einnehmen sollen. Unsere Möbelkollektion wird im Umkreis von 300 Kilometern um Helsinki gefertigt: in Tartu, Estland, und in verschiedenen Teilen Südfinnlands. Die Produktion an diesen Standorten hilft uns, die Umweltbelastung durch den Transport zu reduzieren. Darüber hinaus freut es uns sehr, dass unsere Produkte von lokalen Möbelherstellern in Finnland und Estland gefertigt werden.
A: Bei der Raumgestaltung orientieren wir uns nicht an Trends, sondern an der Ideologie eines zeitlosen Stils, der über Jahrzehnte hinweg ansprechend wirkt. Die von uns entworfenen Räume müssen sich harmonisch in das architektonische Umfeld einfügen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die zunehmende Verwendung von Restmaterialien wie beispielsweise Marmorabfällen.
Ich mag das Konzept des belgischen Minimalismus mit seinen haptischen Oberflächen. Ein Zuhause kann mit wenigen Elementen gestaltet werden und dennoch eine reiche Atmosphäre schaffen. Wenn ich etwas kaufe, möchte ich, dass meine Entscheidung wohlüberlegt und begründet ist. Ein durchdachter Kauf bereitet mir Freude. Ein Spontankauf hingegen nicht. Ein Produkt muss natürlich funktional sein, aber auch schön. Die Ästhetik eines Produkts schafft bei mir eine emotionale Bindung.
T: Für uns ist die emotionale Bindung an Räume und Möbel bedeutsam, ebenso wie deren Beständigkeit. Und letztendlich ist es besonders bereichernd, mit einem guten Freund wie Antti kreativ sein zu können.
Danke schön!
Text von Henrietta Hyttinen
Produktfotografie von Arsi Ikäheimonen
Porträtfotografie von Robert Lindström