Hallo Josefina,
Es war schön, einen Moment mit dir zu verbringen.
Könnten Sie uns etwas über sich als Person und als Künstler erzählen?
Ich bin ein ästhetisch veranlagter Mensch, dem es schwerfällt, Kunst und Leben zu trennen. Ich fühle mich zu subtilen und sanften Ideen hingezogen – und zu allen Arten von Wolken. Ich bin leicht zu begeistern, sodass ich mich stets mit vielen Themen, Materialien und Fragestellungen gleichzeitig beschäftige. In meinem Atelier ist alles miteinander verbunden.
Ihre aktuellen Kunstwerke setzen sich mit dem Klimawandel auseinander. Könnten Sie uns etwas mehr über diese sehr interessante Arbeit erzählen?
Ich arbeite interdisziplinär und medienübergreifend. Multisensorische Erlebnisse entstehen durch Farbe, Licht, Glas, Worte und Klänge. Kunst, Wissenschaft und interaktive Technologie verschmelzen, um die Vergänglichkeit der Zeit und die Empfindlichkeit unserer Umwelt sichtbar zu machen. Meine jüngste Ausstellung bei Exposed Arts Projects in London thematisiert atmosphärische Bedingungen und die Produktion künstlerischen Wissens.
In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit Luft und atmosphärischen Phänomenen. Mein Interesse gilt den unsichtbaren Naturprozessen, die uns umgeben und beeinflussen, uns aber dennoch teilweise unzugänglich bleiben. Zuletzt habe ich in Zusammenarbeit mit Klimaforschern die Wolkenbildung und ihre komplexe Rolle für Klima und Gesellschaft untersucht.
Meine Ausstellungen sind ortsspezifisch und eng mit den aktuellen Umweltveränderungen verknüpft. Das Kunstwerk ist kein statischer Zustand, sondern ein kontinuierlicher Prozess, stets im Wandel – wie Wetter und Wolkenbildung. So verändert sich beispielsweise die Materialität je nach Licht und Wetter, oder die Installation basiert auf wissenschaftlichen Echtzeitdaten, die direkt aus der Atmosphäre gewonnen werden. Manchmal ist das Kunstwerk eine sich ständig wandelnde, pastellfarbene virtuelle Welt oder ein meditativer Waldspaziergang.
Mich interessiert auch, welche Rolle die Kunst im Klimaschutz spielen kann. Ich glaube fest an die Kraft der Vorstellungskraft. Multisensorische Erfahrungen bergen das Potenzial, uns herauszufordern. Daher ist es wichtig, dass sich die Kunst zwischen Poesie, Politik und Philosophie bewegt. Dies erweitert den Horizont und eröffnet neue Wege für nachhaltiges Denken und ein Miteinander der Arten.

Wie haben Sie mit dieser Arbeit begonnen, und wussten Sie von Anfang an, wie sie am Ende aussehen würde? Haben Sie normalerweise eine Vorstellung vom fertigen Werk, wenn Sie einen Prozess beginnen?
Alles beginnt mit dem kontinuierlichen Prozess, der Gegenstand, Methode und Energie meiner Kunstwerke bildet. Wenn das Kunstwerk mit seiner Umgebung in Verbindung tritt, entsteht eine unerwartete Erfahrung. Die Fortdauer wird zu einer metaphysischen Frage, sie fungiert als philosophischer Ansatz.
Ich sehe meine Kunstwerke als spekulativ und zukunftsorientiert. Das Unbekannte wird Teil des Werkes und lädt den Betrachter ein, sein Potenzial zu erkennen. Es geht um Beobachtung und das Hinhören auf die Umgebung.
Der Beginn der Arbeit kann spontan sein, und Offenheit ist ein wichtiges künstlerisches Element. Ich verbinde Langzeitforschung mit Materialuntersuchungen. Meine Zusammenarbeit mit Klimaforschern und die jüngsten Erkenntnisse der Atmosphärenphysik beeinflussen meine Arbeit.
Wie stark vermischen sich Ihr Privat- und Berufsleben? Können Sie diese beiden Bereiche voneinander trennen?
Kunst ist ein untrennbarer Bestandteil meines Lebens, daher fällt es mir sehr schwer, Privat- und Berufsleben zu trennen. Glücklicherweise kann ich flexibel arbeiten und meiner Inspiration folgen. Wichtig ist auch zu erkennen, dass Kunst auch dann entsteht, wenn man nicht aktiv danach sucht.
Ich verbringe viel Zeit in meinem Atelier in Helsinki, doch meine Arbeit findet auch außerhalb statt. Ich habe verschiedene Wege kennengelernt, Persönliches und Berufliches zu verbinden und suche stets nach neuen, flexiblen und saisonalen Ansätzen jenseits räumlicher Beschränkungen. Das hat natürlich meine interdisziplinäre Praxis zu dem gemacht, was sie heute ist. Mir ist es wichtig, Methoden und Materialien zu wechseln; das hält das Experimentieren frisch und innovativ.

Welchen Künstlern würdest du empfehlen, denen man momentan folgen sollte?
Kürzlich habe ich bei Bosse&Baum in London wunderbare Textilien und Keramiken von Bea Bonafini gesehen. Ich freue mich schon sehr auf Karoliina Hellbergs geheimnisvolle Gemälde in ihrer kommenden Ausstellung in der Galerie Anhava in Helsinki. Ich verfolge die Online-Aktivitäten des World Weather Network mit großem Interesse; es bietet eine tolle Mischung aus Kunst und globalen Wetterbeobachtungen. Art for Change 21 ist ebenfalls eine interessante Plattform für Umweltschutzaktionen.
Vielen Dank, Josefina! Ich wünsche dir einen schönen Tag!
Porträt von Atelier Aino
Kunstwerkfotografie von Josefina Nelimarkka