ASK Scandinavia hatte das Vergnügen, mit dem finnischen Model Caroline Farneman über alles Mögliche zu sprechen, von ihren beruflichen Erfahrungen über ihre Gedanken zu nachhaltiger Mode bis hin zu ihren Strategien, wie sie in den kälteren und dunkleren Monaten energiegeladen bleibt.
Hallo Caroline, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast! Du bist ein junges Model mit langjähriger internationaler Erfahrung. Du hast dich auch im Bereich Nachhaltigkeit engagiert und sogar deine Masterarbeit über Kreislaufwirtschaft in der Modebranche geschrieben. Was hat dein Interesse an diesem Gebiet geweckt?
Vielen Dank! Ja, das stimmt. Ich wurde vor acht Jahren als Model entdeckt und arbeite seitdem international, unter anderem in New York, Mailand, London, Paris und Sydney, um nur einige Orte zu nennen.
Durch die Möglichkeit, mit so interessanten und kreativen Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzuarbeiten, wurde mein Interesse an der Modebranche ganz natürlich geweckt. Models sind meist nur im letzten Schritt des Prozesses involviert – wenn sie über den Laufsteg laufen oder an Fotoshootings teilnehmen. Mich fasziniert aber, was passiert, bevor die fertigen Looks präsentiert werden. Während meiner Zeit bei Calvin Klein in New York arbeitete ich eng mit dem Designteam zusammen, was mir viel über den gesamten Prozess beibrachte – von der kreativen Arbeit der Designer über die Stoffauswahl und die Produktion bis hin zum finalen Look auf dem Laufsteg. Mir wurde dabei auch bewusst, wie umweltschädlich die Modeindustrie und die Stadt New York im Allgemeinen sind. Ich glaube, das war der Punkt, an dem mein Interesse an Nachhaltigkeit begann.
Schließlich entschied ich mich für ein Masterstudium in Strategie und Kreativer Nachhaltigkeit an der Aalto-Universität, da dieses zwei meiner Interessen vereint: Mode und Nachhaltigkeit. Meine Masterarbeit befasste sich mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und Strategien für Modeunternehmen, um nachhaltiger zu werden. Obwohl alle Unternehmen vor Herausforderungen stehen, habe ich den Eindruck, dass das Bewusstsein für dieses Thema wächst und die Diskussion transparenter wird.
Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse aus Ihrer Karriere und Ihrem Studium im Modebereich?
Durch meine Arbeit als Model habe ich sozusagen die „Schule des Lebens“ besucht. Ich habe viele unerwartete Situationen erlebt und gelernt, damit umzugehen. Das hat meine Geduld, meine Stressresistenz und meine sozialen Kompetenzen gestärkt, beispielsweise den Umgang mit Menschen jeden Alters und jeder Herkunft. Reisen und Auslandsaufenthalte haben meinen Horizont erweitert und mich offener und unabhängiger gemacht. Mein akademischer Hintergrund hat mir zudem die Fähigkeit zum kritischen Denken vermittelt. Er hat mir außerdem das nötige Rüstzeug gegeben, um die Geschäftswelt und den Wert von Zusammenarbeit und effektiver Kommunikation zu verstehen.
Diese Erfahrungen bilden das Fundament für meine berufliche Laufbahn. So hatte ich beispielsweise letzten Sommer die Möglichkeit, mein Interesse an Mode und Nachhaltigkeit zu verbinden, indem ich ein Praktikum im Nachhaltigkeitsteam der dänischen Modemarke GANNI in Kopenhagen absolvierte. Dank meines akademischen Hintergrunds in diesem Bereich war es eine sehr interessante Erfahrung, die Theorie in die Praxis umzusetzen und die Emissionen des Unternehmens zu reduzieren.
Nachhaltigkeit ist ein oft diskutiertes Thema. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?
Das stimmt. Manchmal befürchte ich, dass der Begriff selbst an Bedeutung verliert, wenn er von den Medien weiterhin in allen möglichen Kontexten verwendet wird. Wie sollen wir dann noch erkennen, ob etwas nachhaltig ist oder nur Greenwashing?
Nachhaltigkeit bedeutet für mich die Fähigkeit, Ressourcen zu schonen und effizient zu nutzen. Unternehmen spielen eine entscheidende Rolle dabei, unsere Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten und können sowohl Regulierungsbehörden als auch Verbraucher beeinflussen, um diesen Wandel voranzutreiben. Auch Verbraucher tragen aktiv dazu bei, indem sie beispielsweise ihre Gewohnheiten ändern: weniger einkaufen, sich umweltfreundlicher ernähren, weniger fliegen und mehr recyceln. Doch seien wir ehrlich – Menschen neigen dazu, den einfachsten Weg zu wählen. Deshalb müssen Unternehmen leicht zugängliche, nachhaltige Alternativen anbieten.
Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Aspekt der Nachhaltigkeit, an dem Modeunternehmen heute arbeiten sollten?
Ich denke, dass Modeunternehmen neben der Umstellung auf nachhaltigere Materialien im gesamten Produktionsprozess – von der Kleidung bis zur Verpackung – einen stärker zirkulären Geschäftsansatz verfolgen sollten. Schauen wir uns das genauer an.
Reduzierung: Die Modebranche sollte sich hinsichtlich der Anzahl der von den Unternehmen produzierten Kollektionen verändern. Es ist eine einfache Rechnung: Mehr Kleidung zu produzieren führt zu mehr Emissionen und mehr Kleidung, die letztendlich auf der Mülldeponie landet.
Reparatur: Es wäre toll, wenn Modeunternehmen ihren Kunden die Möglichkeit bieten würden, ihre Kleidung selbst zu reparieren, zum Beispiel durch eine Kleiderreparaturstation oder eine andere Reparaturlösung.
Wiederverwendung/Weiterverkauf: Alte Kollektionen, unverkaufte Kleidung oder Kleidungsstücke, die Kunden nicht mehr tragen, können entweder in einem Ladengeschäft oder online weiterverkauft werden. Eine Win-Win-Situation für Unternehmen und Kunden: Unverkaufte Kleidung wird abgesetzt und Kunden können günstiger einkaufen.
Mieten: Modeunternehmen könnten auch über die Einführung einer Mietplattform nachdenken. Wie toll wäre es, wenn man das Sommerkleid für die Party einfach mieten könnte!
Recycling: Ich halte Recyclingprogramme für Unternehmen für unerlässlich. Allerdings sollte dies meiner Meinung nach der letzte Schritt nach Reparatur, Wiederverwendung oder Weiterverkauf sein. Gutscheine für Recycling sind keine gute Idee – sie regen nur zu weiteren Käufen an.
Was denkst du, wie die Zukunft der Mode aussehen wird?
Hoffentlich wird die Zukunft der Mode auf einem Kreislaufwirtschaftsmodell basieren, das ich eben beschrieben habe.
Ich wünsche mir außerdem, dass keine weiteren Fast-Fashion-Unternehmen auf den Markt kommen. Die Technologie muss sich weiterentwickeln; derzeit werden nur wenige Prozent der Kleidung recycelt und zu neuer Kleidung verarbeitet. Es wäre toll, wenn Verbraucher die Herkunft der Materialien bereits im Geschäft nachverfolgen könnten, beispielsweise mithilfe der Blockchain-Technologie.
Im Bereich der Haute Couture finde ich es spannend zu beobachten, was während der COVID-19-Pandemie passiert. Da Modenschauen nicht stattfinden können, werden die Marken kreativer, beispielsweise durch den Einsatz von Videoinstallationen. Diese Vorgehensweise ist umweltfreundlicher.
Was sind Ihnen beim Kauf eines neuen Artikels die wichtigsten Aspekte?
Ich würde sagen, die folgenden drei Aspekte sind am wichtigsten. Erstens versuche ich, Secondhand-Kleidung oder in Geschäften einzukaufen, die Wert auf Nachhaltigkeit legen. Als Konsumenten vergessen wir oft, dass wir alle von Unternehmen fordern sollten, sich nachhaltiger zu verhalten.
Zweitens achte ich beim Einkaufen eher auf Qualität als auf Quantität. Ich überlege mir meistens, ob ich ein neues Kleidungsstück 30 Mal tragen werde (siehe die „30-mal-Challenge“ von Livia Firth). Das verlängert die Lebensdauer der Kleidung und reduziert die Emissionen durch die Textilproduktion enorm.
Eine Studie in Großbritannien zeigt beispielsweise, dass das Tragen eines Kleidungsstücks neun Monate länger die Emissionen um 20-30% verringern würde.
Drittens achte ich auch auf das Material. Ich kaufe bevorzugt Kleidung aus Monomaterialien, zum Beispiel Produkte aus 100 % Wolle. Das ist umweltfreundlicher, da die aktuelle Technologie beim Recycling von Kleidung die verschiedenen Materialien nicht voneinander trennen kann.
Was ist dein Lieblingskleidungsstück/dein Lieblingsgegenstand im Herbst?
Nach dem Sommer freue ich mich am meisten darauf, meine warmen Pullover zu tragen. Einer meiner Lieblinge ist ein weißer Wollpullover, den ich im Winter in New York in einem Secondhandladen gefunden habe, als ich fast erfroren wäre. Ich bevorzuge eher neutrale Farben – sie passen zu allem und man wird sie nie leid.
Haben Sie noch weitere Tipps für zusätzliche Motivation und Stimmungsaufhellung, um den Jahreszeitenwechsel besser zu überstehen?
Ich liebe den Herbst. Die klare Luft, das Gefühl des Neubeginns. Wenn du dich auf dein allgemeines Wohlbefinden konzentrierst, hast du die Kraft, die schwierigen Zeiten zu überstehen.
Ich lese gern Bücher, höre Podcasts, koche gemütliche Abendessen in netter Gesellschaft und führe anregende Gespräche. Die Farben der Natur um diese Jahreszeit finde ich wunderschön. Es gibt keinen besseren Weg, im Hier und Jetzt zu sein, als in der Natur. Also raus in die Natur und Abenteuer erleben, zum Beispiel Wandern oder Radfahren – das lässt sich auf so viele nachhaltige Arten gestalten.
Ich glaube auch ans Ausmisten des Kleiderschranks – auch hier kann man neu anfangen! Man findet immer alte Schätze oder Kleidungsstücke, die man reparieren, weiterverkaufen oder recyceln kann. Ich wollte schon immer mal eine Tauschparty mit meinen Freundinnen organisieren, bei der man alte Kleidung mitbringt und sie gegen die Kleidung der Freundinnen tauscht, dazu ein leckeres Abendessen und etwas Rotwein. Lasst eurer Kreativität freien Lauf!
Vielen Dank, Caroline, für Ihre Zeit und Ihre wertvollen Einblicke in dieses wichtige Thema. Wir von ASK Scandinavia wünschen Ihnen einen schönen Herbst!
Text von Alice Ahlström