Wir haben uns mit Beatrice Turner über ihre Sichtweisen auf Nachhaltigkeit in ihren Rollen als Content Creatorin und Mutter unterhalten.

Können Sie uns erzählen, wie Sie The Fair Edit gegründet haben und uns einen Einblick geben, was Sie zu diesem Weg inspiriert hat?

Ich hatte jahrelang in der Modebranche gearbeitet und gesehen, wie es hinter den Kulissen wirklich zugeht – Spoiler: Es war alles andere als schön. Nach dem Einsturz des Rana Plaza ließ mich der Gedanke nicht los, wie die Branche die Probleme einfach unter den Teppich kehrte und gleichzeitig den übermäßigen Konsum weiter anheizte. Zu diesem Zeitpunkt teilte ich bereits Styling-Tipps auf Instagram, also beschloss ich, meine Plattform von „Wie man süß aussieht“ zu „Wie man süß aussieht und trotzdem nachts ruhig schlafen kann, weil man weiß, dass die eigene Kleidung nicht die Welt zerstört“ umzugestalten. Und so entstand The Fair Edit!

Wie nutzen Sie als Content-Creator Ihre Plattform, um andere über die Bedeutung eines nachhaltigen Lebensstils aufzuklären und sie dafür zu inspirieren?

Ich mag es, authentisch und entspannt zu sein, denn seien wir ehrlich: „Perfekt nachhaltig“ zu sein ist unmöglich, und wer braucht schon noch mehr Schuldgefühle? Auf meiner Plattform teile ich Tipps, die wirklich umsetzbar sind, wie Secondhand-Shopping oder das Ausleihen von Kleidung für besondere Anlässe. Ich zeige auch, dass Nachhaltigkeit nicht bedeutet, auszusehen, als käme man direkt aus einer Naturkommune. Man kann durchaus Spaß an Mode haben, nur eben etwas cleverer. Außerdem ist meine Community fantastisch, und wir führen tolle Gespräche, in denen wir voneinander lernen. Es ist ein netter kleiner Club für nachhaltige Mode.

Welchen Herausforderungen steht die Modebranche heute gegenüber, und welche Chancen sehen Sie?

Die Modeindustrie liebt Fast Fashion, so wie wir alle Fast Food lieben: praktisch, aber auf Dauer extrem ungesund. Übermäßiger Konsum ist eine enorme Herausforderung mit massiven Umweltauswirkungen. Hinzu kommt die unschöne Wahrheit: Arbeiter werden schlecht behandelt, um all diese Billigkleidung herzustellen.

Andererseits wächst das Bewusstsein der Verbraucher – sie sind informierter und erwarten von Marken mehr Engagement. Das führt zu einem Boom im Secondhand-Handel, nachhaltigen Marken werden immer beliebter und die Branche steht unter Druck, sich zu verändern. Wenn die Verbraucher diesen Druck aufrechterhalten, werden auch größere Marken gezwungen sein, nachzuziehen.

Und nun zu einer persönlicheren Frage: Welche Werte möchten Sie Ihren Kindern in Bezug auf Nachhaltigkeit und Lebensstil vermitteln?

Ich hoffe, meine Kinder lernen, nicht so egoistisch zu sein. Ich möchte, dass sie verstehen, dass es im Leben nicht darum geht, wie viele Dinge man besitzt, sondern darum, bewusste Entscheidungen zu treffen und zu bedenken, wie diese Entscheidungen andere und die Umwelt beeinflussen. Kurz gesagt: Sie sollen freundliche Menschen sein, die nicht verschwenderisch sind und über den Tellerrand hinausschauen. Wenn ich es schaffe, dass sie nicht ständig ihre Schuhe verlieren, wäre das auch schon ein Erfolg!

Gibt es zum Schluss noch Projekte oder Initiativen zu diesem Thema, die Sie unseren Lesern vorstellen möchten?

Ich bin gespannt, wie sich die sozialen Medien entwickeln und wie das Interesse an längeren und ruhigeren Inhalten wieder steigt. Ich erweitere The Fair Edit und decke neben Mode auch nachhaltiges Wohndesign, Beauty und Tipps für entschleunigtes Reisen ab. Es geht darum, Menschen zu einem stilvollen und umweltfreundlichen Leben zu verhelfen, ohne es zu ernst zu nehmen.

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